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Umbau Mehrgenerationenhaus, Pfäffikon ZH, 2020–21

Restaurierung: Läuchli Konservierung Restaurierung, Wallisellen, und Fischer Restaurierung, Dalin
Farbgestaltung: Cécile Burri, Zürich
Bilder: Hannes Henz, Zürich

Das unter Schutz stehende Gebäude liegt ortsbaulich prägnant an erhöhter Lage im Scheitel von zwei Strassen. Mit seinem Ausdruck im Reformstil hebt es sich von den umliegenden Altbauten des 18. Jahrhunderts ab, fügt sich durch seine noch ablesbare Struktur als vormaliges Vielzweckbauernhaus dennoch ins gewachsene Ortsbild ein.

Der Ursprungsbau von 1824 ist ein zweiraumtiefes Mittertennhaus mit Wohnteil im Osten und Tenn/Stall im Westen. 1905 wurde ein kleiner Anbau auf der Ostseite angefügt und eine Zentralheizung eingebaut. Der tiefgreifende Umbau von 1921 zu einem Wohn- und Geschäftshaus (mit rückwärtig angebauter Ökonomie) gibt dem Gebäude das heutige Aussehen. Der Stilwechsel vom klassizistischen Habitus zur zeittypischen Reformarchitektur widerspiegelt die Nutzungsänderung vom Bauernhaus zum Wohn- und Geschäftshaus im dörflichen Kontext.

Vorgefunden haben wir ein faszinierendes Konglomerat von mit grossem Gestaltungswillen ausgestatteten Räumen. Die Entstehung und Geschichte des Hauses ist immer noch gut nachvollziehbar. Raumstruktur und einzelne Ausbauelemente des ursprünglichen Hauses werden überlagert von der Aufbruchstimmung des Umbaus im Reformstil. Die gestalterische Grundhaltung vermittelt eine Gesamteinheit trotz unterschiedlich ausformulierter Details.

Diesen Ansatz nahmen wir – wieder hundert Jahre später – als Thema für den geplanten Umbau mit einer abermals neuen Nutzung als Mehrgenerationenhaus auf. Mit Augenmerk auf die Übergänge und Brüche in diesem komplexen Raumgefüge und mit teils kaum sichtbaren Eingriffen versuchten wir, ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Teilen herzustellen. Wichtig war uns die Klärung der räumlichen Hierarchien zur Orientierung im verschachtelten Grundriss: Die historisch wertvollen, denkmalgeschützten Räume und Ausstattungselemente wurden sorgfältig restauriert und erhalten so eine neue Präsenz. Die übrigen Räume, insbesondere die Zimmer, wurden über ein einheitliches Gestaltungskonzept zusammengefasst und bilden den neutralen Hintergrund. Die Bäder reihen sich in ihrer abstrakten, monochromen Ausformulierung als neue Elemente in den bestehenden Kontext.

Durch die Nutzung als Mehrgenerationenhaus konnte die bestehende Raumstruktur praktisch unverändert übernommen werden. Nach dem Rückbau sämtlicher Beläge der letzten fünfzig Jahre ist fast überall die Originalsubstanz mit all ihren Gebrauchsspuren zum Vorschein gekommen. Im Sinne der Bauherrschaft, die diese Altersspuren als Qualität schätzt, sind Einbauten und Anpassungen additiv ergänzt worden. So sind die Küchen als Möbel in die Zimmer gestellt und rauchgeschwärzte Balken aus dem ursprünglichen Wohnhaus liegen neben – dunkel gebeizten – statisch notwendigen Ergänzungen. Aus Rücksicht auf die bestehende Substanz wurden nur zwei der drei Steigzonen ersetzt. Für die axialsymmetrische Strassenfassade hatte man beim Umbau von 1921 statische Nachteile im Bereich des alten Wohnhauses in Kauf genommen, diese mussten nun ertüchtigt werden. Fassade und Dach waren bis auf die Wiederherstellung der Tennöffnung (mit einem neuen Tor) nicht Teil des Umbaus.

Die integral erhaltene bäuerliche Umgebung ist wesentlich für die Wirkung als belebtes Baudenkmal. Die alte Hocheinfahrt und der kleine Hof wurden unverändert übernommen, der Garten von auswärtigen Pflanzen befreit. Als gedeckter Aussensitzplatz wird bei offenem Tor der vordere Teil des Tenns genutzt. Holzbeigen für die neu eingebauten Öfen schmücken auch weiterhin die Fassaden des Ökonomieteils.


mit Bauleitung

unter Denkmalschutz