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Neubau Reihenhäuser Im Neuhaus, Hinteregg, 2013–18

Gesamtleister: schaerholzbau ag, Altbüron
Farbgestaltung: Cécile Burri, Zürich
Bilder: Hannes Henz, Zürich

Im ehemals bäuerlich geprägten Weiler Neuhaus nimmt das im späten 18. Jahrhundert erbaute, denkmalgeschützte Bauernhaus eine markante Position am nordöstlichen Pfannenstielhang ein. Farblich und in der Gebäudehöhe ordnet sich der Neubau dem weiss getünchten Fachwerkbau des Wohnhauses unter. Durch die Setzung der fünf Reihenhäuser entsteht zusammen mit dem Bauernhaus und den landwirtschaftlichen Nebenbauten ein den Ort prägender Hofraum mit Baum und Brunnen. Die leicht erhöhten, durch Lauben gegliederten Vorplätze bilden den Übergang zu den privaten Wohnungen. Auf der Rückseite gehen die Gärten nahtlos in das weite Landwirtschaftsland über.

Die einzelnen Häuser werden zu einer Grossform zusammengefasst, die Bezug nimmt zu Stallscheunen dieser Gegend. Die leichte Hanglage unterhalb des Bahndamms bestimmt die stark volumetrische Ausbildung des Gebäudes. Die farbliche Verbindung von Fassade und Dach, der knappe Dachrand, die strenge/regelmässige Setzung der Öffnungen in der nach oben gestaffelten Fassade und die die Vertikale betonenden, rhythmisch gesetzten Lukarnen geben dem Haus eine autonome Gestalt im ländlich geprägten Kontext.

Die Reihenhäuser sind ab dem Erdgeschoss als reine Holzbauten erstellt (Wand-, Decken-, Dach- und Treppenelemente). Die vorgefertigten, fast zehn Meter hohen hölzernen Treppentürme wurden als Erstes in das betonierte Untergeschoss gesetzt. Bis auf wenige Ausnahmen bilden die Wand- und Deckenelemente die sichtbaren Raumbegrenzungen/Oberflächen, es gibt praktisch keine Verkleidungen. Dies bedingt eine hohe Präzision in der Ausführung. Durch die spezifischen Oberflächenbehandlungen werden die Konstruktionshölzer nobilitiert und räumlich wirksam. So werden beispielsweise in den Zimmern drei unterschiedlich behandelte Holzoberflächen zusammengeführt und über diese Kontraste eine zeitgemässe Stimmung erzeugt, die in der Wirkung weit über eine vollständig mit Holz getäferte Kammer hinausgeht. Die Fassade ist mit einer sägerohen Bretterschalung verkleidet und mit einer Schlammfarbe gestrichen. Die äusseren Metallteile sind in Anlehnung an den Kontext alle feuerverzinkt, die Blecharbeiten in Kupfer ausgeführt.

Das Erdgeschoss ist als Halle konzipiert (ohne tragende Wände). Die innen angeschlagenen Fenster spannen den Raum auf, in den aussen liegenden Laibungen sind die braunroten Klappläden untergebracht. Die dunkel lasierte Balkendecke und der betongraue Anhydritboden übernehmen den robusten Ausdruck der bäuerlichen Umgebung. Ein zentrales Küchenmöbel, lackiert in einem kühlen Blaugrau, zoniert den fliessenden Raum, der mit Schiebetüren flexibel unterteilt werden kann.

Die beiden Obergeschosse werden über das von oben mit Tageslicht belichtete Treppenauge zusammengefasst, im sonst funktionalen Treppenraum entsteht so eine erstaunliche Grosszügigkeit. Die Obergeschosse sind im Gegensatz zum Erdgeschoss in Kammern gegliedert. Die aussen angeschlagenen Fenster erzeugen hier wohnliche Nischen im Innenraum, Stoffmarkisen sorgen für den notwendigen Sonnenschutz. Die Nischen werden durch die profilierten, dunkel geölten Aussenwände betont, der Ausblick auf das alte Bauernhaus und in die Landschaft gleichermassen gerahmt. Innen und aussen werden miteinander verschränkt. Im Dachgeschoss werden die Lukarnendecken in die Tiefe der Räume gezogen. Durch die Beruhigung der Raumgeometrie entstehen vollwertige Zimmer.