zurückweiter
  mehr
 

Umbau Scheune, Zürich Schwamendingen, 2014–16

Farbgestaltung: Cécile Burri, Zürich
Bilder: Hannes Henz, Zürich

Das aufgrund seines Volumens für die Stadt Zürich eindrückliche Bauernhaus mit drei Wohnteilen und einem Ökonomieteil wurde 1692 erbaut und in den1950er Jahren um einen Werkstattanbau erweitert. Der Scheunenteil mit der leer stehenden Schreinerei sollte nun als Wohnraum ausgebaut werden. Der Einbau der Schreinerei hatte die Gebäudestruktur zum Teil stark verunklärt. Der Umbau des unter Denkmalschutz stehenden Hauses sollte die noch vorhandene historische Struktur erhalten und wo möglich wieder stärker zum Ausdruck bringen. Eine sinnvolle Ausnützung des grossen Volumens (natürliche Belichtung, feuerpolizeiliche Auflagen, Denkmalpflege, Ökonomie) führte zu einem Raumprogramm mit zwei Wohnungen und einem Atelier.

Historisch gewachsene Gebäudeteile wie Ställe, Tenn und Heubühne wurden bei der Setzung der neuen Nutzungseinheiten berücksichtigt. Die verschachtelten, ausgreifenden Grundrisse fügen sich – nach dem Rückbau der Einbauten und Verkleidungen der Schreinerei – passgenau in die bestehende Struktur und suchen nach Möglichkeiten für Belichtung und Belüftung. Für die beiden Wohnungen wurden alle bestehenden Öffnungen unverändert übernommen. Die neuen Fensteröffnungen des Ateliers in der Bretterschalung der Scheune wurden mit gestrichenen Holzlamellen «getarnt». Die Fenster von Küche und darüber liegendem Schlafzimmer der Hauptwohnung wurden zusammengefasst und erinnern an die grosse Toröffnung des ehemaligen Tenns. So konnte die bestehende Fassadenstruktur erhalten werden, die neuen Nutzungen sind erst auf den zweiten Blick (oder in der Nacht) lesbar.

Die Hauptwohnung erstreckt sich über die ganze Tiefe der Scheune: vom Hofzugang in die Küche bis in den Wohnraum im Werkstattanbau mit seinen Südfenstern zum Nutzgarten hin. Typologisch entspricht diese Raumfolge dem alten Tenn. Mit der zweigeschossigen Halle wird dieses auch in der Höhe wieder erfahrbar. Die Massnahme erlaubt zudem eine gute Belichtung der zentralen Halle. Durch die weissen Längswände entsteht der optische Eindruck des durchgestossenen Tenns. Räumlich wird dies unterstützt durch den Einbau von dunkel gestrichenen Möbeln anstelle von Querwänden für die notwendigen Raumtrennungen. Im oberen Geschoss greift der Grundriss seitlich in den Scheunenteil aus und ist dort über eine interne Verbindung an das Atelier angeschlossen.

Die kleine Wohnung «schlängelt» sich in den gemauerten Gebäudeteilen des später ergänzten Stalls und des Werkstattanbaus entlang der Bocklerstrasse und erhält mit dem ehemaligen Eingang der Schreinerei einen separaten Zugang.

Das Atelier im bisher nicht verbauten Teil der Scheune wurde als Holzbau auf die unterste Heubühne gestellt, lässt die Dachhaut und die bestehende Holzbretterfassade unberührt. So entsteht auf der Hofseite eine kleine Laube als Aussenraum. Der Eingang erfolgt im Erdgeschoss über den alten Stall. Die bestehende Tragstruktur wird sichtbar belassen, wo feuerpolizeilich notwendig ist der Holzquerschnitt mit neuem Holz ergänzt ¬– der Nachweis musste für alle Stützen und Balken separat geführt werden. Über das Atelier ist der Dachboden mit dem ehemaligen Spähnesilo der Schreinerei erschlossen. Auf einen weiteren Ausbau wurde verzichtet.

Für die Öffnungen in den verputzten Aussenwänden und in der Holzfassade werden in Anlehnung an den Bestand zwei verschieden helle Brauntöne gewählt. Dem stattlichen, beeindruckenden Bau auch im Innern einen entsprechenden Ausdruck zu verleihen, war Leitmotiv für die weiteren Überlegungen. Dazu wurden als erste Massnahme die Holzfenster durchgefärbt, die Aussenhülle wird so im Innern ablesbar. Der mineralische, mittelgraue Bodenbelag sowie die neutral pigmentierten, massiven Eichenböden und Treppen werden ergänzt durch Brüstungen in Holz, die in einer alten Technik veredelt wurden – einfache Materialien, die gut altern.


mit Bauleitung
unter Denkmalschutz